Antrag auf Pflegeleistungen

Wer einen Antrag auf Pflegeleistungen stellen will, sollte sich zuvor gut informieren. Vor allem muss geklärt werden, welche Art der Pflege für den jeweils Betroffenen die richtige ist und welche Leistung dafür mit Aussicht auf Erfolg beantragt werden kann.

Auch die Beratung mit den Angehörigen und mit dem behandelnden Arzt ist vor der Antragstellung dringend geboten. Denn hat man erst den Pflegeantrag gestellt, so muss man mit einer akribischen Prüfung rechnen.

Die anderen haben es längst gemerkt, und irgendwann kommt der Punkt, da kann man es auch vor sich selbst nicht länger leugnen: Man braucht Hilfe. Man braucht Pflege. Man ist nicht mehr imstande, aus eigener Kraft den Alltag zu bewältigen. Was nun? Ein Pflegeantrag muss gestellt werden, aber wie, wo und von wem? Welche Dokumente müssen vorgelegt werden? Welche Hilfestellungen sind möglich?

 
Pflegeleistungen im Detail erklärt
 

Die Beratungen im Vorfeld

Zunächst gilt es vor allem abzuklären, welche Art der Pflege überhaupt begehrt wird. Gibt es Angehörige, die bereit und zeitlich in der Lage sind, sich der Pflege einer kranken Person zu widmen? Soll ein Pflegedienst hinzugezogen werden? Oder ist gar die Unterbringung in einem Pflegeheim erforderlich? Diese Fragen müssen im Vorfeld der Antragstellung im Familienkreis besprochen werden, denn daran hängen Entscheidungen, die nicht nur den Pflegebedürftigen selbst, sondern auch dessen Angehörige betreffen. Besonders die Ernennung einer Pflegeperson kann das Leben der ganzen Familie verändern. Eine solche Entscheidung will sorgfältig bedacht sein.

Wer sich pflegebedürftig fühlt, ist meist in ärztlicher Behandlung, und auch die Beratung mit dem Arzt ist vor der Antragstellung unabdingbar. Ohnehin werden ärztliche Atteste und Befunde bei der Prüfung des Antrags hinzugezogen. Doch vor allem ist der Arzt ein kompetenter Ansprechpartner, wenn es darum geht, die bestmögliche Pflegeart für den konkreten Fall herauszufinden.

Das Antragsformular

Wenn endlich alle Detailfragen geklärt sind, wird bei der zuständigen Pflegeversicherung ein Antrag auf Leistungen gestellt; meist befindet sie sich am selben Ort wie die entsprechende Krankenversicherung Wichtig ist das Datum der Antragstellung: Eine Leistung wird grundsätzlich erst ab dem Monat der Antragstellung gewährt. Doch als Zeitpunkt der Antragstellung wird nicht die Abgabe des ausgefüllten Antrags angenommen, sondern schon die erste Kontaktaufnahme mit der Pflegeversicherung, bei der über die Pflegebedürftigkeit eines bestimmten Antragstellers informiert und ein Antragsformular angefordert wird. Das kann ein simples Telefonat durch einen Angehörigen sein oder die Zusendung von ärztlichen Unterlagen. Der Bearbeiter, der das Antragsformular zu versenden hat, notiert den Termin der Kenntnisnahme, und wenn später die beantragte Leistung gewährt wird, ist dieser Termin bindend für den Zeitpunkt des Zahlungsbeginns.

 
Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen
 

Doch wenn auch die Angehörigen das Antragsformular anfordern und dem Betroffenen beim Ausfüllen helfen können, unterschreiben muss es der Antragsteller selbst. Ist er dazu nicht in der Lage, etwa aufgrund einer demenziellen Erkrankung, so muss eine Betreuung beantragt und ein Bevollmächtigter ernannt werden, der zur Unterschrift berechtigt ist. In diesem Punkt kommt es nicht selten zu innerfamiliären Streitigkeiten, wenn etwa Angehörige wünschen, dass ein Pflegeantrag gestellt wird, der Pflegebedürftige selbst jedoch nicht einsehen mag, dass er Hilfe braucht. Gerade in den Frühstadien der Demenz klammern sich die Betroffenen oft an die Hoffnung, dass ungeachtet kleiner Defizite mit ihnen „alles in Ordnung“ sei, und fühlen sich in ihrem Stolz gekränkt, wenn sie als Pflegefälle behandelt werden. Sofern hier (noch) keine Betreuung in Frage kommt, ist es die Aufgabe der Familie, sensibel und beharrlich auf den Pflegebedürftigen einzuwirken, bis er einwilligt, den Pflegeantrag zu stellen. Das gilt in besonderem Maße dann, wenn die Aufnahme in einem Pflegeheim erwogen wird – für viele Betroffene eine Vorstellung, mit der sie sich nur unter größten Widerständen befreunden können. Doch der Gesetzgeber verlangt mit Recht, dass die Zustimmung des Pflegebedürftigen zu den Maßnahmen, die ihn betreffen, klar erkennbar ist.

Gibt es Fragen oder Unsicherheiten beim Ausfüllen des Pflegeantragsformulars, so kann man sich Rat und Hilfe bei der zuständigen Pflegeversicherung suchen. Es gibt auch verschiedene Beratungsstellen, etwa bei den regionalen Pflegestützpunkten oder bei den einschlägigen Institutionen (Caritas, Rotes Kreuz oder Arbeiterwohlfahrt), die in solchen Fällen helfen. Nicht zu unterschätzen ist auch das breit gefächerte Informationsangebot, das sich in den Internetportalen findet.

Die Antragsprüfung

Die Bearbeitung des Pflegeantrags kann längere Zeit in Anspruch nehmen. Die Pflegeversicherung beauftragt einen Gutachter des MDK (bei gesetzlich Versicherten) oder der Medicproof GmbH (bei privat Versicherten), die Angaben des Antragstellers zu prüfen und den Pflegebedarf zu ermitteln. Dieser Gutachter kommt zum Antragsteller ins Haus und überzeugt sich von der aktuellen Wohn- und Pflegesituation. Pflegende Angehörige sollten darauf schon bei der Antragstellung vorbereitet sein. Das Führen eines Pflegetagebuchs beispielsweise erleichtert die Beantwortung der zahlreichen Fragen, die der Gutachter zu stellen hat. Nach den 2017 in Kraft getretenen Regelungen des neuen Pflegestärkungsgesetzes benutzt er dazu den Fragenkatalog des NBA (Neues Begutachtungssystem), durch den nach einem speziellen Punktesystem der Grad der noch verbliebenen Selbstständigkeit des Antragstellers berechnet wird.

Die Ermittlungen des Gutachters sind die Grundlage für die Festlegung des Pflegegrades und damit auch für den Pflegebescheid, der schließlich von der Pflegekasse erteilt wird. Entspricht er nicht den Vorstellungen des Antragstellers, so kann selbstverständlich Widerspruch dagegen eingelegt beziehungsweise Klage beim Sozialgericht erhoben werden. Oft kann aber auch ein Folgeantrag vorhandene Unzufriedenheiten ausräumen, etwa dann, wenn sich der Gesundheitszustand des Betroffenen zwischenzeitlich verschlechtert hat. Die Situation des Pflegebedürftigen wird überdies in regelmäßigen Abständen durch die Pflegeversicherung kontrolliert.